Weiterbildung Joël Weser - PrEssenz/ Februar 2015

Weiterbildung in Mainz im Hotel Günnewig am 23.02.2015

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Um was geht es heute? Es geht um unsere Haltung, wie ich bin und Du bist und die Einladung für Übungen, die uns zeigen, was er darunter versteht.

Begrüßung durch Elke Forster-Mahle

Hinweis auf eine Veranstaltung am 5. Juli 2015: die DGfS wir eine interessante Veranstaltung zum Thema Quantenphysik und Familienaufstellung im Trainingszentrum Königstein.

Einstimmung:

Joël spricht von seiner Freude, wenn er in eine neue Gruppe kommt und die Wirkung in ihm, wenn er wahrnimmt, wie diese unbekannten Menschen in ihm die Freude auslösen.

Alle arbeiten mit Menschen und in diesem Kontext sind wir alle auf das Neue fixiert. Wir sind offen für die Liebe, für die Dinge, die geschehen und die Wirkung, die es nach sich zieht.

Um was geht es heute? Es geht um unsere Haltung, wie ich bin und Du bist und die Einladung für Übungen, die uns zeigen, was er darunter versteht.

Wahrnehmung heißt, dass man etwas spürt. Es gibt für uns nicht anderes. Beispiel an zwei männlichen Personen, die starr stehen, wir, die denken geradeaus und hindurch zu müssen. Das was wirklich wirkt und nicht das was wir meinen, dass wirken müsste. Joël erläutert dieses an einem Beispiel. Es stehen zwei Herren Schulter an Schulter und erhalten die Aufgabe, dass sie so bleiben sollen, auch wenn nun der Joel versucht, da durch zu kommen. Sie behalten diese Haltung bei und Joël kommt, trotz großer Anstrengungen, nicht durch. Es wirkt wie ein Kampf und so gibt es keine Lösung.

Jetzt gehen wir nicht gegen die Personen, sondern mit den Personen. Dafür ist er nicht im Widerstand, wartet, kämpft nicht dagegen, sondern bleibt bei sich und geht mit den beiden mit. Joël streckt dafür seine beiden Arme aus, legt die Hände aufeinander und schiebt sich langsam zwischen die beiden Männer. Er bleibt ganz bei sich, sammelt sich in seiner Mitte und bahnt sich seinen Weg.

Nun erläutert Joël diesen gesamten Übungsteil: Er mobilisiert seine Kraft um hindurch zu kommen und der andere steht dagegen. Uralte Muster kommen und ich bin in der Spannung. In der Spannung ist keiner der beiden in seiner Mitte und es wirken nur die Muskelkräfte. Was wirklich wirkt, ist die Kraft der neuen Erfahrung. Wenn ich mich dort hineinfallen lasse, dann werde ich weich und lasse mich hineinfallen. Das sind die wichtigen Erfahrungen!!!!!

Die neuen Erfahrungen - die zum Beispiel eine Aufstellung - bietet, müssen wir integrieren.

Der Mensch will und ist auf sich bezogen, somit ist er von sich selbst abgetrennt. Wir sind fixiert und können diese Haltung durch eine neue Präsenz ablösen. Er meint, dass er allein ist. Wenn er wahrnehmen würde, dass die Personen neben ihm genau das gleiche Problem besitzen, dann würde er erkennen, dass er nicht ankämpfen muss, sondern könnte sich weiter und offener werden und sich zu seinem Problem bekennen.

Eine Übung:

Vater-Sohn stehen sich gegenüber.
Sag mal zu deinem Vater: ‚ ich habe das Leben von dir bekommen‘ - Sohn sagt, dass es nicht geht! Joël bittet den Sohn: dann sagst du, dass er dir am A... vorbei geht! Er tut es und es entsteht eine erste Bewegung. Es kommt zum ersten Mal ein Gefühl auf und Joël hält den Klienten in diesem Gefühl. Nun kann er sich auf den Vater zu bewegen und es kommt zu einer Veränderung in der Haltung. Kontrollverlust, Ohnmacht sind die Folge und erzeugen eine neue Qualität des Gefühls.

Joël sagt, wenn der Klient ausspricht, was er denkt, dann kommt er in ein Gefühl und der Aufstellungsleiter spürt die Resonanz mit der Person.

Joël erläutert: ‚Die Wahrnehmung der Gefühle im Raum und des Gegenüber, Angst kommt auf. Ich bleibe in der Angst und beginne mit ihm zu kommunizieren. Damit kommt etwas in Beziehung.‘

Joël erzählt von seinen Gefühlen der Ambivalenz: gerade weiter zu machen.. ich müsste weiter machen... nicht machen... sondern lassen! Er beschreibt, dass es sich komisch anfühlt, das „Lass es- Gefühl" ist stärker und somit fühle er sich mit den anderen Personen in Kontakt.

Joël fragt weiter: „Wann bin ich in der Kraft? Wann nicht? Freilassen der Gefühle. Von Menschen sind wir bewegt. Wie komme ich da raus? Ein hilfreiches Bild ist die Vorstellung einer Windharfe... Gefühle von Entwertung und Kraftlosigkeit, Ohnmacht, ... und hat immer mit allen zu tun.

Beispiel Herzschmerz: persönliches Beziehungschaos mit seinem Vater (er wuchs ohne Vater auf) führte dazu, dass er sich allein im Wald mit allen Bildern vertraut machte, er bleibt im Gefühl und schreit das erste Mal so laut heraus. In der Not entsteht die erste Not-Wendigkeit!

Joël : „Wie steht es damit, dass ich nicht mehr zur Verfügung stehe. Haltung: ein Spinnennetz ist aufgespannt! Die kleinste Bewegung kann ich wahrnehmen und ich brauche die Durchlässigkeit!! Ich kenne einen Modus, in dem ich nichts tun muss. Erläuterung der energetischen Zustände. Ich bin vorn, hinten, ich bin oben, in der Angst- in der Freude, in der Mitte!!!!"

Joël sagt: „Wenn ich spreche, dann gilt es für alle, wenn ich in der Mitte bin. Wut steigt auf, die ich wahrnehmen kann. Präsenz: ich bleibe in mir- lass mir einen drei-Meter-Hintern wachsen und fließe... Somit mache ich das Spiel der Klienten nicht mit. Ja-sagen und innerlich aufstehen.

Joël leitet vier Übungen an: Erfahrung von verschiedenen Wahrnehmungsweisen

Übung Nr. 1

  1. Zwei Personen sitzen sich auf einem Stuhl gegenüber, richten sich genau auf den gemäßen Abstand aus: wir bleiben im Leben, wie das Fremdeln der Kinder, weil sie den richtigen Abstand kennen (bei Angst gehen sie zurück, verstecken sich, suchen Schutz bei Mutter,...)
    Einer ballt die Faust und zeigt mit seiner Faust direkt unter die Nase des Gegenübers. Der andere schaut auf die Faust und spürt genau nach, was alles passiert (Atmung, Gefühle,..).
  2. Die zweite Übung: Einer ballt die Faust und zeigt mit seiner Faust direkt unter die Nase des Gegenübers, der andere schaut aber auf das Gesicht des ‚Angreifers‘.
  3. Die dritte Übung: Einer ballt die Faust und zeigt mit seiner Faust direkt unter die Nase des Gegenübers und der andere schaut sich den ganzen Körper des Gegenübers an (Ohrringe, Schuhe, Kleidung,...).
  4. Die vierte Übung: ich halte mich hin, dann kommt die Faust und ich bin auf Empfang mit allem.

Die Erfahrungen wurden in der kleinen Gruppe (4 Personen) ausgetauscht. Jeder der vier berichtet über seine Erlebnisse. Dann werden im großen Kreis die Erfahrungen ausgetauscht. Es gibt auch Antworten mit körperlichen Erfahrungen. Wir begegnen uns selbst. Zum Beispiel wird der Arm nicht ausgestreckt - also mit Rückwärtsgang - suche ich Ausflüchte?! Wir kreieren jede Situation mit. Ich kann meine eigene Wahrnehmung empfinden. Faust: ich kann weglaufen, zurückschlagen, voller Angst schauen, ich kann aber auch die Faust liebevoll umschließen und darf ihm/ihr die volle Aufmerksamkeit schenken. Da gehen die Fäuste auf und die Veränderung darf beginnen.

Entscheidend ist, wie schauen wir auf unsere Eltern. Wenn wir es getan haben und feststellen, dass etwas fehlt, dann machen wir im Leben das Gleiche. Wir können nur unsere Position wechseln, wenn wir die Kleinen wachsen lassen! Sorge um die Kinder wird als Liebe bezeichnet und ich verlasse meine Position, bin nicht in meiner Mitte. Unsere Kinder verlieren den Halt. Wie wären Worte/ Haltung, wie z.B.: „ Es ist toll, dass du noch da bist. Wie lieb musst du uns geliebt haben, dass du so lange bei uns geblieben bist." Wir bewahren somit die menschlichen Eigenschaften in ihrer Gesamtheit. Wenn beide sich in einem JA befinden, dann kann sich etwas neu formieren.

Joël formiert im großen eine fiktive Familie mit vielen Ahnen, Familie und Kinder. Er lässt die die Wirkung von anmaßenden Äußerungen deutlich werden. Bilder!!

Joël fragt in die Runde:

  • Wer wird hinschauen und zwar auf das Ganze??
  • Wie komme ich auf meinem Platz?
  • Wie kann ich die Wahrnehmung verändern, dass ich das System im Ganzen wahrnehme.


Die Seele braucht keine Öffnung, denn sie ist weit. Ich habe nur aus dem Ozean meine kleine Pfütze gemacht. Ich bin vom Ozean abgetrennt und nehme diese Abgrenzung wahr. Ich muss bereit sein, der Realität ins Auge zu schauen:

Mama ich sehe dich in deinem Wahnsinn und halte dem statt. Ich bin damit auch verbunden. Der Wahnsinn ist da und ich bin mittendrin. Ich brauche meinen Platz und sollte ihn einnehmen. Alles ist in der Vergangenheit mit allem verbunden und es geht durch mich hindurch.

Bild der Unordnung entstehen lassen. Aus der Aufstellung von vorhin verändern wir die Positionen. Keiner geht irgendwo hin, alle bleiben am Platz und spüren die Gefühle. Die Kinder haben einen Tunnelblick: ‚Ja, da ist ein Tunnelblick...‘ Wie erscheint es jetzt? Es wird weiter. ‚Ja, da ist Trauer und zeigt mit dem Finger auf eine Personengruppe. Da ist Nebel im Kopf, die Ahnen erhalten Standfestigkeit und benennen das. Ich spüre, da ist Druck im Kopf. Ich bin bereit, da hinzuschauen. Immer wieder genau hinspüren ist wichtig. Da ist Liebe, und ich suche meinen Platz. Durch die Benennung der Gefühle kommt der Klient mit dem Anderen in Kontakt. Ich sammle die Dinge, die im Raum sind und bewahrheite sie. Ich bin neugierig, da ist ein Versuch es abzuschütteln. Wir müssen diesen Raum halten. Lösen! Bewegen! Da ist einer, der standhält. Es verändert sich die Stimmung in der Gruppe und wir erhalten klare Antworten. Angst lässt die Verbindungen in die Schwäche treten. Systemische Bewusstheit sollte ich üben: ohne (Be-)Wertungen, sondern nur in der Wahrnehmung. Wir halten das Thema und wir lassen es frei und werden dabei weit. Auch wenn alles verwirrt ist, weiß ich, wo mein Platz ist. Ich bin das Kind meiner Eltern, mit meinem Partner stehe ich auf Augenhöhe und die Kinder sind von mir aus die Kleinen/Kinder. Alle werden gesehen, wenn ich, als Führender, die Gefühle benennen und den Kontext setze. Ich spüre Angst/ Unsicherheit/... Wir sollten eine Pause einlegen! Brainstorming. Es braucht einer Person, die hinschaut und die dann die Situation hält. Nicht Wissen ist die Macht, sondern Nichtwissen. Es braucht den Körper! Wir bleiben im Jetzt! Nicht abdriften!

Übung Nr. 2

Zwei Personen sitzen sich gegenüber. Als erstes suche ich mir den richtigen Abstand. Ich schaue die Person mit meinem Problem direkt an. Zwei weitere Personen stehen dabei. Nach einer Weile des Schauens werden die beiden unbeteiligten Personen hinter die eine Person gestellt. Somit verändert sich der Blickwinkel. Er wird weiter. Man schaut nicht nur das Problem an, sondern sieht es in einem Zusammenhang.

Sorge ist keine Liebe. Es sorgt sich die Mutter, weil mit dem Kind etwas nicht stimmt. Das Kind will die Mutter entlasten.

Joël erzählt Geschichten aus dem Leben, aus dem Schullebe: ein Beispiel ist der glitschige Aal! Ja- sagen. Wie stellen wir Beziehungen her? Beziehungen schaffen Räume.

Bin ich in der Angst, kann ich nicht wahrnehmen! Individualisieren der Angst in mir habe ich keinen Blick für mein Gegenüber.

Übung Nr.3

Drei Aspekte:

  1. Wahrnehmung weiten - räumliches Wahrnehmen, dann entsteht eine Mitte, im Auge des Sturms, da ist es ruhig - ist die Voraussetzung der Veränderung, denn es darf sich etwas bewegen.
  2. Du bist die Mitte und landest mit einem Ja! - Knie etwas beugen, sonst stemme ich mich vom Boden weg, weil es einen gefährlicher Platz darstellt. Die gesamte Wirbelsäule kann nicht frei schwingen, es kommen u.U. Schmerzen im Rücken oder Nacken. Das Becken geht nun auf und es darf geschehen, was da ist! Wahrnehmungen weit, sich dem Boden anvertrauen, die Gelenke sind geschützt durch den Halt der Muskeln und das Knie darf entlasten.
  3. Landen- und dazu das JA- sagen! Wir sind ganz da.
    Dafür stehen zwei Personen direkt hintereinander. Der Hintere packt den Vorderen mit ganzer Kraft und hält ihn fest. Der Vordere kämpft dagegen und baut Spannung auf. Beide stehen in ihrer Kraft. Der Vordere hört auf in den Widerstand zu gehen und schaut sich auf Augenhöhe in der Umgebung ohne Wertung um. Er schaut und schaut und wird weich. Ohne Widerstand in eine Ohnmacht hineingehen und in das Liebevolle wahrnehmen, ganz in der Präsenz sein. Wir sind immer auf Empfang für alle Wahrnehmungen, die es gilt in die Präsenz zu bringen. Wir geben unsere Energie in den Tunnelblick. Wir sehen aber nicht den Berg, der über dem Tunnel sich befindet. Wir finden nicht das Tal. Irgendwann verändert sich der Blick.
    Wenn er oben ist und ich weit, dann beginnt sich etwas zu verändern. Beziehungen zu halten, sind wichtig, auch ohne, dass wir etwas verstehen. Es ist jemand da, der bleibt. Zwischen Tür und Angel retten wir Personen.
    Panik - es gibt ein vorher! Die Seele macht zu, weil wir auch in die Angst kommen. Wir müssen darauf achten, was wir wahrnehmen. Es gibt Situationen, in denen ich nichts tun kann und nur benenne, dass ich nichts tun kann.

Abschlussrunde- Dankesworte......

Liebe Mitglieder unserer Regionalgruppe, liebe Leserinnen und Leser,

ich habe versucht, die wichtigsten Gedanken von Joël Weser aufzunehmen und schriftich festzuhalten. Falls ich etwas in einen anderen Zusammenhang brachte, dann sprecht mich bitte an. Die Mitschrift stellt eine etwas andere Art eines Protokolls dar.

Ich danke vom Herzen Joël für diesen wirklich gelungenen Tag, der mit sehr vielen verschiedenen Übungen, Erläuterungen, Hinweisen, praktischen Beispielen und umsetzbaren Ideen uns als Gruppe positiv geführt und mir wichtige persönliche Zusammenhänge aufgezeigt hatte. Der andere Blick mit der Verbindung zur eigenen Körpermitte stellte eine wichtige Grundlage für Veränderungen dar.

Denise Perlbach
Regionalgruppe der Aufsteller in Rheinland-Pfalz / SaarlandRegionalgruppe der DGfS
Mai 2015