2. Thementag 07/15

„Selbständigkeit – und was nun?“

Am Mittwoch, den 08. Juli 2015 fand von 9.00 bis 18.00 Uhr der 2. Thementag der DGfS-Regionalgruppe Bayern-Süd mit den Referenten Christopher Bodirsky (2.Vorstand der DGfS) und Volker Fleing (Schatzmeister der DGfS und Geschäftsführer), in den Räumen des Klangheilzentrum, Ötztaler Str. 1b in München, statt. 

 

Nach einer kurzen Begrüßung der Teilnehmer sowie der Bekanntgabe der organisatorischen Details, übernahm Christopher Bodirsky die Gestaltung des vormittags.

 

Im Anschluss an seine persönliche Vorstellung, begann Christopher aus seinen reichhaltigen Erfahrungen zu erzählen. Schwerpunkte dabei waren:

 

a) Wie darf ich mich als Heilpraktiker nennen?

b) Welche Fallstricke gibt es bei der Mehrwertsteuer?

c) Was ist bei der Abrechnung mit der PKV zu beachten?

 

a) Für die Heilpraktiker ist es lt. gängiger Rechtsprechung wichtig, dass sich ihre Bezeichnung von Psychotherapeuten und Psychologischen Psychotherapeuten eindeutig unterscheidet, d.h. dass der Normalbürger (= das Bewusstsein des durchschnittlichen Erklärungsempfängers) erkennen kann, ob es sich um eine Berufsbezeichnung oder eine bloße Qualifikation handelt.

Was neben den o.g., als Bezeichnung gar nicht geht, sind alle Nennungen mit Abkürzungen.

Was geht sind Psychotherapeutische Praxis nach dem Heilpraktikergesetz mit einer 80 % Sicherheit, da es sich nicht ganz eindeutig von den Psychotherapeuten abgrenzen lässt. Bezeichnungen wie Heilpraktiker (Psychotherapie) oder Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie sind zu 100 % sicher.

 

b) Die Kernaussage zur Mehrwertsteuer war, dass Begriffe wie Aufstellungswochenende, Aufstellungsseminar, Wochenendseminare generell der Mehrwertsteuer unterliegen. 

Das gilt grundsätzlich auch für Heilpraktiker, d.h., dass es bei einer Befreiung von der Umsatzsteuer auf die heilkundliche Tätigkeit ankommt. Das bedeutet, dass die Aufstellungsarbeit in einem heilkundlichen Kontext, mit Anamnese, Diagnose, Behandlungsplan, Behandlung, etc. stattfindet und in einen therapeutischen Prozess, mit zumindest einem diagnostischen Vorgespräch und wenigstens einem therapeutischen Nachgespräch, eingebettet ist.

Christopher wies darauf hin, dass eine „proforma therapeutische Deklaration“ im Falle einer Steuerprüfung nicht ausreichen wird. Denn, wer nur Therapeut „spielt“ um der Mehrwertsteuer zu entgehen dem fehlt die innere Haltung eines Therapeuten. Und genau auf diese Haltung und deren Anwendung, werde ein großes Augenmerk gelegt.

Wer therapeutisch arbeitet, sollte dies durchgängig nach außen vertreten. 

Dazu gehört, dass auf Website, Flyer & Co erwähnt ist, dass ich therapeutische Gruppenaufstellungen anbiete mit dem Hinweis, dass Patienten/Klienten, die noch nicht bei mir waren, ein diagnostisches Vor- und ein therapeutisches Nachgespräch einkalkulieren müssen.

Weiterhin gehören beispielsweise dazu: Erstelle ich geeignete ICD 10 Diagnosen?

Bette ich die Aufstellung wirklich in einen therapeutischen Prozess ein? Führe ich eine Patientendokumentation?

Auch für Heilpraktiker gilt: Aufstellungen im nicht-therapeutischen Bereich sind umsatzsteuerpflichtig. Ein entsprechender Hinweis dazu ist empfehlenswert, weil dies auch die Kenntnis um die Thematik der Mehrwertsteuer dokumentiert.

Ein weiterer Hinweis von Christopher zur Mehrwertsteuer war, dass gewerbliche Einkünfte bis zu einer Höhe von jährlich 17.500 € brutto von der Umsatzsteuer befreit sind. In diesem Fall sollte auf der Rechnung folgender Hinweis stehen: „Es erfolgt kein Ausweis der Mehrwertsteuer, aufgrund Anwendung des § 19 UStG (Kleinunternehmerregelung)“. Für die Befreiung von der MwSt. hinsichtlich von Weiterbildungsmaßnahmen gemäß § 21 UStG ist die Regierung von Oberbayern zuständig.

 

c) Zur Information und Orientierung der Patienten/Klienten, empfiehlt Christopher, folgende Hinweise auf Website, Flyer und als Aushang in der Praxis: „Bitte beachten Sie, dass private Krankenkassen nicht immer den vollen Betrag übernehmen“ und „Bei Abschluss von Versicherungen können Wartezeiten bestehen“.

Die GebüH mit den Gebührensätzen stammt aus dem Jahr 1989. Ein höherer Ansatz auf der Rechnung als die angegebene Gebührenspanne, ist durchaus legitim. Bei eventuellen Einwendungen des Klienten wäre eine mögliche Antwort: „Die Gebührensätze wurden seit 1989 nicht mehr erhöht – würden Sie für das Gehalt von 1989 arbeiten?“

 

Auf der Rechnung für eine Krankenkasse muss immer eine Diagnose anhand einer ICD 10 Verschlüsselung enthalten sein.

Volker Fleing gab zu bedenken, dass wir Patienten/Klienten auf Folgendes hinweisen sollten: 

Diagnosen, beispielsweise depressive … u.a., haben schon dazu geführt, dass Versicherer einen Antrag auf Lebens-/Risikoversicherung (z.B. beim Bau oder Kauf eines Hauses) aufgrund einer, mit entsprechender Diagnose eingereichten Rechnung, abgelehnt wurden.

 

Um den mitunter etwas trockenen Stoff aufzulockern, bot Christopher Übungen für die Gruppe an. Die Übungen „Der Tiger – das Pferd und Ich“ sowie „Der Tiger – das Huhn und Ich“, sorgten für Heiterkeit und Aha-Effekte.

 

Nach dem reichhaltigen Mittagsbuffet übernahm Volker Fleing die Gestaltung des Nachmittags.

Zunächst ließ uns Volker an seinem Werdegang, seiner Motivation und seinen Tätigkeiten teilhaben. Danach konnten wir, durch die kurze Präsentation mit dem Beamer erkennen, welche Ansätze und Vorgehensweisen Volker uns für diesen Nachmittag anbieten wird.

 

Bevor Volker zu Themen der Teilnehmer mit Aufstellungen kam, bot er der Gruppe 2 Übungen an, die aus dem Neuro-Imaginativen-Gestalten (NIG), begründet durch Dr. Eva Madelung, kommen.

 

Teil 1:

Jeder sollte intuitiv ein Bild malen zu seiner Selbständigkeit um es anschließend vor sich hinzulegen, zu betrachten und sich dann darauf zu stellen.

Teil 2: 

Jeder sollte ebenfalls intuitiv ein Bild zu seiner Potentialität malen, es vor sich hinlegen, betrachten und sich ebenfalls darauf stellen.

Teil 3: 

Die Teilnehmer sollten beide Bilder intuitiv vor sich in Beziehung legen und sich auf beide Bilder stellen.

 

Aus den unmittelbar erhaltenen Eindrücken ergaben sich bei einigen TeilnehmerInnen Fragen und Unsicherheiten. Volker bot an, sich das Thema genauer anzuschauen und zeigte, für alle sicht- und nachvollziehbar, wie er mit den Anliegen der Einzelnen arbeitet. 

Dies geschah, indem sich die Personen nochmals auf die Bilder stellten und bei Bedarf von Volker weitere Blätter hinzu gelegt, bzw. auch Personen als Stellvertreter dazu gebeten wurden.

 

Bei der ersten, von Volker angebotenen und angeleiteten, Aufstellung ging es um das Thema  „Angst vor der Selbständigkeit“ dazu bat Volker folgende Stellvertreter zu benennen: 

Wasser als Ressourcen – Feuer als Antrieb – Luft für Kommunikation – Erde als Platz

Es ergab sich eine sehr interessante Aufstellung mit eindrucksvollen Interaktionen der Stellvertreter, die offensichtlich maßgebliche Resonanzen gezeigt hatten.

 

Bei einer weiteren Aufstellung ging es um die „Übernahme einer zusätzlichen Praxis“. Die beginnenden Stellvertreter waren, Authentizität/Praxisinhaber – Ressourcen – Erfolg – Kunden.

Dabei war zu erkennen, dass diese Entscheidung deutlich weitreichendere Einflüsse, Unsicherheiten und Auswirkungen haben kann, die ein weiteres Hinschauen empfehlen. 

 

Mit der Verabschiedung ging ein an neuen Erfahrungen und Erkenntnissen reicher Tag zu Ende.

Herzlichen Dank an die Referenten und die zahlreichen TeilnehmerInnen (über 40 an der Zahl).

 

Wir können uns schon auf den kommenden Regionaltag am 18. November 2015 freuen, an dem wir die Methode des „Neuro-Immaginativen-Gestalten (NIG) näher kennenlernen dürfen.

 

Neufinsing, 23. Juli 2015

 

Andreas Lechner 

Regionalsprecher