Praxistag 03/14

Aufstellungen im Wandel der Systeme

Am Samstag, den 15.03.2014 fand von 9.00 bis 18.00 Uhr der Praxistag, diesmal im CVJM-Haus in der Landwehrstr. 13 in München, statt.

Nach einer kurzen Begrüßung der Teilnehmer, Bekanntgabe der organisatorischen Details und dem Hinweis auf die ausliegenden Flyer über die DGfS-Tagung „ODI et AMO“ im März 2015 in München, übernahm Günter Schricker die Gestaltung des Vormittags.

Die erste Stunde berichtete Günter Schricker aus seinen Erfahrungen und Tätigkeiten. Sein Hauptaugenmerk galt der Haltung beim Familienstellen und welche Bedeutung ihr zukommt.

Im Laufe des vormittags kam Günter Schricker anhand von Aufstellungen und Fragen aus dem Kreis der Teilnehmer immer wieder auf die zentrale Frage - der Bedeutung der Haltung in der Aufstellungsarbeit, zurück.

Seine durch Erfahrung geprägte und auf Beobachtung bauende Sicht der Dinge, orientieren sich an der Wirklichkeit, so wie sie ist – Widersprüche zum Beispiel, sind Teil dieser Wirklichkeit. Der Inhalt war so umfangreich und verdichtet, dass hier nur einige Fragestellungen und Einsichten Erwähnung finden.

– Wahrnehmung der Wirklichkeit (wie nehme ich sie wahr?)
– Wie gehe ich mit Widersprüchen um?
– Ist mir bewusst, was Recht-haben bewirkt?
   z.B. es führt ins Unlebendige und trennt und dahinter steht, dass wir an
   unsere eigenen Gedanken glauben 
und riskiert
   Lebendigkeit, Beziehung und Erfolg
– Wie urteile ich über mich und andere?
– Gibt es einen Unterschied von Wandel und Veränderung?
   Veränderungen versuchen wir durch uns selbst
   heraus zu bewirken 
z.B. durch Pläne, neue Ziele,
   etc. 
Wandel passiert – ohne Ziel, ohne Streben
– Habe ich die Geschicke im Griff oder stehe ich im Dienst?
– Habe ich es unter Kontrolle oder lasse ich die Dinge geschehen, folge
   den Impulsen?

Aus den Aufstellungen ergaben sich spontane Erkenntnisse und Einsichten. Einige daraus waren:

– Ich höre auf, gegen den Tod des Klienten zu kämpfen.
– Ich stehe im Dienst von Leben und Tod und sage JA zum Wandel.
– Dass während einer Demonstration, z.B. zum Thema TOD es 
   Grenzen geben kann, von denen die Achtung gebietet, sie zu wahren.
– Dem Gewissen gegenüber zu verzichten – auf meine guten
   Gefühle 
und auf meine Unschuld denn: Mit schlechtem Gewissen öffne
   ich 
mich dem Neuen.
– Versprechen dienen dem guten Gewissen und sind lebensfeindlich.

Das war ein Teil der Einsichten, die uns am Vormittag geschenkt wurden. So ging der Vormittag recht schnell vorbei und endete mit der Übergabeeines Blumenstraußes durch Martin Meir. Günter Schricker bat darum nicht zu applaudieren, um die Energie noch etwas zu halten. So fand die anerkennende Wertschätzung und die Dankbarkeit in der Stille statt.

Nach der Mittagspause gestaltete Dr. Ilse Kutschera den Nachmittag. Sie ist Ärztin und Kardiologin. Sie hat ihre systemische Arbeit den gesundheitlichenThemen gewidmet. In ihrem Buch „Was ist nur los mit mir?“ beschreibt sie in übersichtlicher Form und leicht verständlicher Weise, wiesich Dynamiken und Bindungen rund um das Thema Gesundheit und Krankheit auswirken können.

Nach einführenden Worten und Fragen zum Thema, konnten Teilnehmer ihr Anliegen vortragen und aufstellen. Dabei wurde jeweils ein Stellvertreter für das Symptom, den Klient (Symptomträger) und eine Person für das, was das Symptom dem Klienten sagen will, aufgestellt.

Es kamen unterschiedliche Dynamiken bei verschiedenen Symptomen ans Licht. Unter anderem, dass ein vergleichsweise „leichtes, unscheinbares“ Symptom mit einer relativ schweren Thematik aus der Vergangenheit derKlientin verbunden war.

Ein an Erkenntnissen und Einsichten reicher Tag ging, mit Überreichung eines Blumenstraußes durch Martin Meir, zu Ende. Auch Ilse Kutschera wollte keinen klatschenden Applaus. So fand auch am Ende des Praxistages die Anerkennung und Dankbarkeit in der Stille statt.

Gespräche am Ende der Veranstaltung ergaben, dass viele von Günter Schricker beeindruckt waren, anderen war der Vormittag zu abstrakt und fanden die konkrete Art von Ilse Kutschera für sich hilfreicher.

So war an diesem Praxistag wohl für jeden etwas Hilfreiches oder Neues dabei.

Neufinsing, 08. April 2014
Andreas Lechner
Regionalsprecher