Praxistage 06/16 mit Daan van Kampenhout

Thema: Systemic Ritual

Am 23. und 24. Juni 2016 fanden im Saal des Münchner Stadtmuseums die Praxistage der Regionalgruppe Bayern-Süd statt. Nach der Begrüßung der etwa 90 Teilnehmer und Bekanntgabe der organisatorischen Details übernahm Daan das Wort in englisch, das von Angelika Fend übersetzt wurde. Daan ließ uns an seinen Entwicklungen teilhaben. Vor ca. 35 Jahren, als er 18 Jahre alt war, kam Daan mit dem Schamanismus in Berührung und er bekam eine Ahnung von Krankheit, Heilung etc. Vor etwa 20 Jahren habe er das Familienstellen kennengelernt und bemerkt, dass es da Unterschiede und Überschneidungen zwischen den beiden Herangehensweisen gibt. So entwickelte sich seine Methode - Systemic Ritual.

Es ist über die Jahre langsam gewachsen – und es ist keine Familienaufstellung es ist eine systemische Aufstellung und folgt anderen Gesetzen. Es gibt viele schamanische Elemente, aber es ist nicht reiner Schamanismus. Sondern Systemic Ritual enthält Anteile aus beiden Richtungen und anderen Vorgehensweisen, die über die Jahre hinweg, hinzukamen. Daan´s Empfehlung: „Seid einfach offen, dann werdet ihr sehen was für Möglichkeiten es bietet und wo die Grenzen sind.

Daan gab uns ein anschauliches Beispiel seines Lehrers was einen Hilfesuchenden erwartet, wenn er zu einem Schamanen geht. Sie werden Fernsehschauen, Kaffee trinken, Zigaretten rauchen und vielleicht nach 2 Stunden wird der Lehrer sagen: „Du bist hier?“ Und sie werden weiter Fernsehschauen, ein Bier trinken, Zigaretten rauchen und vielleicht nach einer weiteren Stunde wird der Lehrer fragen: „Was führt dich hierher?“ Und sie werden wieder …..... Nach einer Weile wird der Hilfesuchende einen mitgebrachten Tabak auf den Tisch legen. Dann würde der Lehrer den Tabak anfassen und zerpflücken, reiben, daran riechen etc. und würde sagen: „Okay, komm in zwei Tagen wieder.“ Wenn der Lehrer den Tabak nicht anfasst, würde er sagen: „Du gehst mit deinem Anliegen besser dorthin, wo man dir helfen kann“. Denn, wenn der Lehrer bzw. Schamane nicht die Lösung hat, arbeitet er nicht mit ihm.

Diese Art zu arbeiten ist die Vorgehensweise des Reduzierens auf das Wesentliche, die Essenz. Daan erzählt, dass er die eingereichten Briefe (Anliegen) bis zu 20mal liest und dann 1-2 Sätze davon nimmt, die Essenz. „Mal habe ich eine klare Vorstellung, mal eher weniger, manchmal auch gar nicht. Ich interviewe den Klienten nicht, benötige keine weiteren Informationen.“

In seine Arbeit, die überwiegend aus Meditation, Gebeten, Träumen und Gesang besteht, bezieht Daan mal die Rassel, mal die Trommel oder den Spiegel aus Bronze (ca. 200 Jahre alt ist und von einem Schamanen aus Sibirien stammt), ein. Dieser Spiegel wurde von Teilnehmer zu Teilnehmer gereicht und jeder sprach seinen Namen in den Spiegel. Der Gesang von Daan kommt aus verschiedenen Richtungen, wie aus der Synagoge, aus seiner Zeit als Lehrer in Finnland, manchmal aus Träumen, etc. und er verbindet den Gesang häufig mit dem Trommeln.

Nach den grundsätzlichen Betrachtungen begann der praktische Teil seiner Übungen und Rituale. Die erste Übung war eine Wahrnehmungsübung zur eigenen Präsenz, dem Ankommen in meinem Körper, meiner Energie, meiner Seele. Dann: Verbinde dich mit dir bleibe mit dir im Kontakt und verbinde dich mit deinen Sitznachbarn zur rechten und linken Seite, dann mit dem 2. links und 2. rechts neben dir usw. bis alle in deine Verbundenheit einbezogen sind. Eine weitere Kontakt-Übung bestand darin, dass sich jeweils 3 TN zusammenfanden, sich die Hände schüttelten, den Namen sagten und woher der Einzelne kommt, in einem Satz sagt: „Warum du hier bist“ und dann „Ich wünsche dir gute zwei Tage.“

Anschließend arbeiteten wir in Duo´s, im Wechsel, indem zunächst einer der beiden auf einem Stuhl sitzt und der/die Andere steht etwa 1,5 – 2 Meter hinter ihm/ihr als seine/ihre Ahnen. Der Sitzende stellt sich seine Ahnen hinter sich (20 Generationen) vor, kennt ihre Namen nicht – doch sie gehören alle dazu. Der/die Stehende muss den Namen des Sitzenden kennen. Die Übung beginnt indem der Stehende innerlich sagt und sich bei den inneren Worten langsam in Bewegung setzt: „Liebe Ahnen von Xaver, ich bin Erna und ich werde durch seine Generationen gehen und wenn ihr ein kleines Geschenk für Xaver habt, dann legt es in meine Hände, dann bringe ich all das zu ihm. So nehme ich das Gute, eine kleine Geste, ein Lächeln oder vielleicht auch euren Segen für Xaver gerne von euch mit und bringe es eurem Nachfahren, dem Xaver, so dass sein Leben leichter werden kann. Es ist nur eine Einladung, bitte schaut freundlich und einem Lächeln auf Xaver. Bei dem Sitzenden angekommen, legt der Stehende beide Hände ganz leicht auf dessen Schultern mit den Worten: „Ich bin die Brücke deiner Ahnen und bringe dir Gutes von ihnen mit“. Solltest du Schmerzen, Schweres, Dunkles bei den Ahnen spüren: „Meine Lieben, es wird später Gebete und Heilung für euch geben. Bitte wartet noch ein bisschen.“ Dann erfolgte die Trennung und der Wechsel von beiden.

Im Anschluss stellte uns Daan das seit dem Beginn in der Saalmitte liegende Rad vor. Das Rad hat verschiedene Farben – das Zentrum ist grün - drumherum gibt es vier Quadranten, nämlich:

  • der gelbe = der Osten – Morgen – Frühling – Anfang – Erneuerung – Wiederbeginn
  • der rote = der Süden – Mittag – Sommer – voller Energie – Gemeinschaft
  • der schwarze= der Westen – Abend – Herbst – Loslassen – gehen lassen – der Tod
  • der weiße = der Norden – Nacht – Winter – Stille – Leere – Weite – Pause von allen

Die Quadranten sind eingerahmt von einem blauen Rand - dies ist die Position des Heilers ohne etwas zu tun oder zu ändern – dort kann Heilung geschehen durch bloßes Dasein und durch eine Kontaktaufnahme des Hilfesuchenden.

Im Laufe des Workshops bezog Daan dieses Rad immer wieder in die Arbeit zu verschiedenen Themen ein. Wichtig ist, dass wenn ein System krank und schwach ist, ist die erste Intervention nicht die Heilung, sondern die Kraft/Ressource für die Elemente des Systems bereitzustellen. Jedes System hat eine heilende Instanz. Wir brauchen Kraft, um Blockaden zu entfernen. Der Schamane sitzt oft in einer Ecke, singt, lädt heilende Energien ein und alle können Kraft erhalten.

Beispiel für ein Familienthema: In der Mitte unmittelbar um das Rad herum standen Stellvertreter für die Familie – Großvater – Schwester – Mutter etc. danach entstanden 4 Kreise für die 4 Farben und ein großer Kreis. Jeder im großen Kreis hat eine bestimmte Qualität. Als Familienmitglied schaust du in den großen Kreis und wer dir am besten gefällt, den fragst du, ob er zu dir kommt, oder du gehst dorthin und wir absorbieren diese Wärme, die Qualität, was auch immer sie gibt, wie ein paar Minuten schlafen in diesen Armen – danach gehst du zurück, es wird sich etwas verändert haben. Vielleicht gibt es noch einen anderen. Wenn du von außen in das System gerufen wirst, sage ich trage die Qualität von …

So konnten wir erleben, dass das Arbeiten mit diesem Rad bei Familienthemen, Partnerschaft, fehlendem Partner, Sexualität, Generationen- und Gesundheitsthemen gute Dienste leisten kann.

Daan gab den Hinweis, dass sich mit dem Rad auch mit einzelnen Klienten gut arbeiten lässt. Beispielsweise indem du mit den Qualitäten der Richtungen, oder mit Steinen, neuen Qualitäten oder mit Steinen für Familienmitglieder oder im Coaching arbeitest. Du nimmst einen Stein in die Hand; was ist die Qualität die du jetzt gerade brauchst? Und legst dann den Stein dazu – oder Steine außen herum legen – aber nicht außerhalb des Tuches.

Eine interessante Übung war auch die der Polaritäten. Die Pole waren „ein verschlossenes, kaltes Herz – am anderen Ende „ein offenes, leichtes Herz“. Zwischen diesen beiden Polen stellten sich 15 TN in die Mittelachse des Saales. Links dieser Achse standen etwa 20 Personen, die die Kraft für eine Veränderung des Platzes – für die in der Mitte Stehenden repräsentierte; während rechts der Achse etwa 20 Personen standen, die die Kraft verkörperten um den eingenommenen Platz in der Mittelachse zu behaupten. Die durch die Bewegungen entstandenen Veränderungen und deren Wirkungen waren interessant und sehr gut wahrnehmbar.

Viel beachtet war das handgestickte Ahnenfeld (255 Personen) das die Form eines Adlers mit ausgebreiteten Schwingen hatte. Daan schilderte, wie er 1 Jahr und 1 Tag mit jedem Ahnen auf diesem Ahnenfeld für sich selbst gearbeitet hat. Er hat zunächst einen Stein für sich selbst gelegt und jeden Abend einen Ahnen eingeladen ihm sich selbst mit Namen vorgestellt, einen Stein gelegt und eine Kerze für den Ahnen und eine Kerze für alle Ahnen angezündet, verbunden mit Sätzen zur Achtung und Versöhnung des Getrennten.

Die abschließende Übung war wieder eine 3er Übung mit Wechselmöglichkeit, sodass jeder die Möglichkeit hatte die unterschiedlichen Energien wahrzunehmen. Dabei ging es um den Klient, der seiner inneren Kraft (Ressource) und der Kraft die von außen kommt, gegenüberstand. Dabei kam es zu überraschenden Bewegungen, Einsichten und zu unterschiedlichen Konstellationen. Danach bildete ein Ritual im großen Kreis einen harmonischen und friedlichen Abschluss. Damit gingen zwei intensive, an Ereignissen reiche, volle und an neuen Erfahrungen und Eindrücken vielseitige Tage zu Ende. Die Fülle an Eindrücken und die unterschiedlichsten Herangehensweisen und Rituale von Daan sowie die Vielzahl der bearbeiteten Anliegen konnten hier nur auszugsweise wiedergegeben werden.

Danke an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, danke an Daan für die Fülle an AHAErlebnissen und herzlichen Dank an Doris Hirschfeld, die durch ihre Mitschrift wieder einmal dafür gesorgt hat, dass dieser Bericht so ausführlich erscheinen kann.

Neufinsing, 18. Juli 2016
Andreas Lechner
Regionalsprecher

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Praxistage mit Daan van Kampenhout