Regionaltag 11/14

Bericht zum REGIONALTAG 2014

„Aufstellungsarbeit an der Grenze - grenzübergreifende Erfahrungen“

Am Mittwoch, den 19.11.2014 fand von 9.00 bis 18.00 Uhr der Regionaltag der DGfS-Regionalgruppe Bayern-Süd mit den Referenten Laszlo Mattyasovszky, Dr. Ursula Franke und Tom Bryson, in den Räumen des Klangheilzentrum, Ötztaler Str. 1b in München, statt. Nach einer kurzen Begrüßung der Teilnehmer, Bekanntgabe der organisatorischen Details und dem Hinweis auf die ausliegenden Flyer über die DGfS-Tagung „ODI et AMO“ im März 2015 in München, übernahm Laszlo Mattyasovszky die Gestaltung des Vormittags.

Nach seiner persönlichen Vorstellung zu Eingangs schilderte Laszlo, dass er beobachtet habe, dass die Zeit zwischen 30 und 45 Jahren bezüglich des Lebensplans sehr wichtig ist. Hier verwirklicht sich die berufliche, familiäre und soziale Ausrichtung. Ziele werden oder wurden erreicht – und, wie geht es weiter.

Lazslo interessierte, welche Wünsche an ihn bestehen, was von ihm heute erwartet wird. Da die Gruppe dafür zu groß war, lud Laszlo dazu ein, dies in kleineren Gruppen zu besprechen und schlug vor die Gruppen nach der Dauer systemischen Wirkens oder der Beschäftigung damit, zu bilden. So entstand in den Gruppen ein lebhafter Austausch. Einzelne Fragen aus den Gruppen wurden eingebracht. Laszlo ging auf die Fragen zu den Grenzen der Arbeit und zu seinen eigenen Grenzen mal nachdenklich, mal humorvoll ein.

Anschließend bot Laszlo an, gerne anhand einer Aufstellung sich möglichen Grenzen zu stellen. Das angebotene Anliegen: „Wie komme ich aus der eigenen inneren Grenze heraus?“ Laszlo erarbeitete den Hintergrund und mögliche Perspektiven, die das Anliegen bieten könnte. Das Ziel wäre mehr Freiheit. Da es sich um eine Struktur handelt, schlug Laszlo für die Strukturaufstellung folgende Elemente vor: 1) Jemand für dich – ist auch der Focus, 2) ein bis zwei Personen für deine Ängste, 3) ein bis zwei Personen für deine Ressourcen, 4) eine Person für die neue innere Freiheit – das wäre gleichsam das Ziel. Es folgte eine intensive Aufstellung, bei der die Grenzen von Vorstellung und Machbarkeit sichtbar wurden – hilfreich waren Geduld und Achtsamkeit. Nach der Aufstellung ging Laszlo auf diesbezügliche Fragen ein und erläuterte seine Beweggründe dazu. Zur Herkunft (USA) und der Geschichte der Aufstellungsarbeit sowie über deren Entwicklung erzählte uns Laszlo interessante Zusammenhänge, bevor er zu einer weiteren Aufstellung einlud.

Eine Teilnehmerin brachte ihr Thema ein. Sie ist Therapeutin und arbeitet mit verhaltensauffälligen Kindern insbesondere der Legasthenie. Ihr Sohn, 16 Jahre und Legastheniker ist eine Herausforderung für ihr Vertrauen, sein Vater hatte auch Legasthenie. Laszlo schlug ihr vor, 2 Personen für sich auszuwählen (eine für die Mutter – eine für die Therapeutin), den Sohn, 2 Klienten und deinen inneren Berater. In der Aufstellung wurde eine intensive Spannung zwischen Mutter und der Therapeutin wahrnehmbar. Hilfreich war die Hereinnahme des inneren Beraters. Nach einer Weile meldete sich aus dem Teilnehmerkreis ein Mann mit den Worten: „Ich glaub ich muss rein – ich bin die Legasthenie.“ Von da an entwickelte sich eine lebhafte Aufstellung u. a. zwischen Sohn und Vater. Als das Schwere (Legasthenie) und der Urgroßvater geehrt wurden, fiel es den Beteiligten leichter ihren gemäßen Platz einzunehmen.

Abschließend stellte Laszlo den Bezug zum alten Testament her.

"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ….......

Jede Schöpfungsgeschichte beginnt mit erkennen und unterscheiden.

Die Vertreibung aus dem Paradies ist Folge einer Grenzüberschreitung."

Zum Abschluss übergab Martin Meier ein kulinarisches Präsent an Laszlo, der mit einem herzlichen Dank für den eindrucksvollen Vormittag verabschiedet wurde.

Nach der Mittagspause führten uns Ursula Franke und Tom Bryson zum Thema PRÄSENZ und TOD mit einigen eindrucksvollen Übungen durch den Nachmittag. Es begann mit einer Runde mit dem Talking Stick bei der jeder seinen Namen und ein Wort hinzugefügt in die Runde gab. Daran anschließend folgte eine Übung zur Präsenz. In die Präsenz zu gehen beginnt mit der Wahrnehmung der Sinne. „Was höre – was sehe – was fühle – was rieche ich?“

Die Stimme(n), Geräusche, das Muster am Boden, die Blumen am Fenster, den Boden unter den Füßen, die Wärme meiner Hand und du gehst nirgendwohin, einfach nur da sein, egal welcher Druck. „Präsent heißt, nicht weg von Gefühlen!“

Die Wirkungen dieser Übung konnten wir zu den Themen „schlechte Gefühle“ und “Symptome im Körper“ erfahren. Hierbei war der Unterschied vom NEIN schwächend und dem JA stärkend und als Tor zur Verantwortung spürbar. Beim JA hört das Kämpfen auf. So könnte eine Erkenntnis aus diesen Übungen lauten: „Ohne Präsenz bin ich eine Feder im Wind“.

Aus der Sufi-Tradition stammte die nächste Übung mit Tropfen – Welle – Ozean. Dabei standen sich jeweils am Ende des Raumes die Stellvertreter für den Tropfen und der Welle gegenüber. Der Tropfen verkörpert das Individuum, die Welle das System. Nun bestand die Übung darin, dass sich jeder der Teilnehmer zum Individuum hin- und wegbewegen konnte, ebenso vom System, und dabei die inneren Bewegungen erfahren konnte und wie sich die unterschiedlichen Bewegungen anfühlen. Die Linie zwischen Tropfen und Welle zu verlassen, war die Hinbewegung zum Ozean. Aus dieser Position war der Blick auf Tropfen und Welle mit Abstand und doch in Verbundenheit möglich.

Im Anschluss an die Nachmittagspause erzählte uns Tom von seinen Erfahrungen aus der Hospizarbeit. Dazu gehört, dass der Tod fast immer friedlich und freudvoll ist und dass sich dadurch seine Beziehung zum Tod geändert habe. Für die Teilnehmer bot sich an, den Tod und Mich in einer Aufstellung zu erleben. Tom berichtete dass viele ihrer Klienten Traumatas haben von Menschen, die schon gestorben sind und erzählte von der Art und Weise, wie Schamanen mit Toten und Traumatas umgehen. So geben sie ihren Klienten schon mal eine Hausaufgabe auf, wie diese:

Stell dir vor, die Toten treffen sich da nachts, wenn wir schlafen gehen. Wie gehören die zusammen? Zum Beispiel der Opa ist da und alle seine Kameraden, die weinen, trinken und lachen und die können trinken so viel wie sie wollen – sie werden nicht betrunken und da – im Biergarten – da sitzen auch ihre Feinde und sie können zusammen einen trinken und bereden, was noch nicht besprochen ist.“

Das Verbindende ist der Ozean. Er wurde nie geboren und er wird nie sterben. Peter Levine beschreibt den Modus von Flucht oder Kampf. Bei uns gibt es das „freeze“, d. h. Starre, es bleibt stecken. Also - was ist jetzt notwendig, dass der Impuls zum Abschluss findet. Es gibt Gefühle, die nicht ausgedrückt wurden.

Es gibt Impulse, die nicht ausgeführt worden sind ….... Was ist die primäre Bewegung um das Muster hinter sich lassen zu können – andere Sätze sagen lassen. Wir arbeiten mit dem Systemtrauma und dem selbst Erlebten. Diese Arbeit ist eher für das Systemtrauma anwendbar. Für das Biographietrauma ist die Präsenzthematik ganz heilsam.

Eine weitere Übung bestand darin, dass die andere Person mich darstellt und ich stelle mich dazu als 20 Jahre nach meinem Tod – allgemeine Verwunderung. Diese Aufstellung war bisweilen eine überraschende und heitere Erfahrung. In der abschließenden Runde mit dem Talking Stick gaben die Teilnehmer ihre Eindrücke und Stimmungen in die Runde.

Ein an Eindrücken und Erfahrungen reicher und voller Tag ging, mit der Überreichung eines Blumenstraußes an Ursula und etwas Kulinarischem an Tom, zu Ende.

Herzlichen Dank nochmals an die Referenten für diesen bereichernden Regionaltag und an Doris Hirschfeld, deren Aufzeichnungen den Bericht in dieser Ausführlichkeit ermöglicht haben.

Neufinsing, 08. Dezember 2014

Andreas Lechner
Regionalsprecher