Regionalgruppentreffen 10/15

3. und 4. Oktober 2015
Klosterabtei auf der Fraueninsel / Chiemsee

Zu dem Thema „Begegnungen in der Aufstellungsarbeit“ trafen sich Mitglieder zum Austausch um Anregungen und Erfahrungen im Kollegenkreis zu erhalten und auch weiterzugeben.
Nach dem Eintreffen und Kennenlernen der Teilnehmer untereinander begann der Samstag mit einer Runde. Damit verbunden war die Bitte – wenn jemand ein Thema, eine Frage oder ein Anliegen hat um es im Kollegenkreis zu besprechen oder anzuschauen, möge es auf dem Flipchart formulieren – ebenso diejenigen, die uns etwas anbieten möchten um eine Arbeits- oder Vorgehensweise vorzustellen.
Am Ende der Runde gab es reichhaltige und vielfältige Themenbereiche für die beiden Tage. Zu Beginn erzählte uns Annegret über die Zusammenhänge des Maya-Kalenders und für heute die sich daraus resultierende Tagesqualität – es waren die Farbe blau für die Welle und die Intuition.

Bei den Aufzeichnungen war auffällig, dass ein Thema mit unterschiedlicher Motivation und Erfahrungshintergrund, mehrfach auf dem Flipchart stand. Es war das Thema Flüchtlinge und was den Einzelnen in seiner Arbeit dabei herausfordert Die Annäherung an das Thema ergab auch, dass es Ängste, Unsicherheiten, Nöte oder Vorbehalte gibt, die auch durch Erzählungen, Berichte, Bilder und Gedanken entstehen können. So waren diese Gefühle und Erfahrungen der übergreifende Einstieg in das Wochenende.
Nach einem ausführlichen und regen Austausch stellte sich die Frage, ob und wie man zu diesem komplexen Thema, Erkenntnisse durch eine Aufstellung erhalten kann. Konkret ging es um Erfahrungen eines Teilnehmers, der mit Jugendlichen aus Eritrea arbeitet. Nach einer Pause des Schweigens ergab sich, dass Andreas Lechner die Aufstellung dazu anleiten sollte. Er stimmte zu und regte an, die Aufstellung verdeckt zu gestalten – was dem Angebot von Andreas entsprach die „Verdeckte Aufstellung“ vorzustellen. Seine Anregung war, wenn es sich auch eher um eine „Flüchtlings-Welle“ handelt, klein anfangen zu wollen.
Aufstellung:
Es wurden 2 Stellvertreter (1 Mann, 1 Frau) ausgewählt, die nicht über ihre Identität informiert waren, auch der Aufstellungsleiter hatte keine Information.
Es entwickelte sich eine gleichermaßen intensive, wie überraschende und an Erkenntnissen reiche Aufstellung. Die Auflösung nach der Aufstellung machte die tiefe Wirkung in den Anwesenden deutlich. Im Anschluss an die Auflösung der tief wirkenden Bewegungen ergab, achtsame Rückmeldungen und einen ruhigeren Austausch.
Es ist beabsichtigt, die dokumentierte Aufstellung sowie die Aufstellung am Sonntag zum gleichen Themenbereich der „Praxis für Systemaufstellung“ zur Veröffentlichung einzureichen. Sollten diese nicht veröffentlicht werden, erhalten Interessierte die Gedächtnisprotokolle unter info@praxis-lechner.info.

So ging es in die Mittagspause.
Es war ein wundervoller Herbsttag – die Mittagspause auf 2 ½ Stunden zu verlängern - und dafür nach dem Abendessen noch zu arbeiten, fand große Zustimmung.

Der Nachmittag begann mit Ausführungen von Annegret Chucholowski über ihren Tätigkeitsbereich der „Frühkindlichen Reflexe“. So erfuhren die Teilnehmer wann, welche Reflexe während der Schwangerschaft in uns angelegt werden. Interessant und spannend waren die möglichen Auswirkungen bei Erwachsenen, wenn Reflexe nicht ausgebildet oder unterdrückt werden sowie die genetischen Zusammenhänge. Nach der Pause gab es zu den frühkindlichen Reflexen einen regen Austausch.
Nach einer Zeit des Innehaltens entschloss sich eine Teilnehmerin ihr Anliegen „Systemische Sprache“ aufzustellen und bat Lisa Kalteis, dies anzuleiten.
Aufstellung:
Die Stellvertreterin der Klientin und ihrer Stimme standen etwa 2 m entfernt ohne Blickkontakt. Lisa lässt beide sich zuwenden. Worauf die „Stimme“ sagt: „Ich liebe Dich, aber Du musst es machen“. Es kam nicht an. So kam ein Mann für „das was hilft“, der sich direkt von Gesicht zu Gesicht vor die Klientin stellt. Sie wehrt ihn vehement ab. Es wird ein weiterer Mann gebeten, wie sich herausstellte, für den Opa. Er forderte, ihn mit Namen anzusprechen. Die Klientin, die nun neben ihrer Stimme stand sprach den Opa mit Stimme an. Es folgte eine innige Umarmung.

Danach stellte Annegret die Quadrat-Aufstellung (von Jens Magerl) vor. Dabei steht der Klient in der Mitte der vom Aufstellungsleiter innerlich benannten 4 Stellvertreter, die sich in einem Quadrat gegenüberstehen. Der Klient, der vom Leiter durch den Prozess geführt wird, nimmt Kontakt zu den vier Personen auf und versucht, durch achtsame Bewegungen, den für ihn gemäßen Platz zu finden und einzunehmen.

Am Abend zeigte uns Wolfgang seine Vorgehensweise bei der „Verdeckten-System-Imagination“, die von ihm für das Einzel-Setting entwickelt wurde. Die Herangehensweise dieser Methode ist, dass Wolfgang, der Klientin nach und nach verschiedene Steine in die Hand gibt, die er vorher benannt hat und notiert. Die Klientin legt die Steine auf ein weißes Blatt Papier oder auch daneben. Nach der Positionierung der Steine beginnt der therapeutische Prozess. Dabei bedient sich Wolfgang u.a. systemisch wirksamen und konstruktivistischen Elementen, die auf Versöhnung ausgerichtet sind. So nahmen wir Teil an einem Prozess, an deren Ende es der Klientin sicht- und hörbar besser ging. Mit Beantwortung der Fragen ging der Tag zu Ende.

Der Sonntag begann mit einer „Befindlichkeits-Runde“. Anschließend erzählte uns Annegret etwas zur Tagesenergie, abgeleitet aus dem Maya-Kalender und stimmte uns wieder in den Tag ein. Der Tag begann in der Stille und ging in einen achtsamen und wertschätzenden Austausch über. Dessen Inhalt waren die Ängste und daraus möglicherweise resultierende Einschränkungen der Frau im täglichen Leben, ausgelöst durch die massiv ins Land strömende Energie ausländischer Männer (nicht nur islamischer Abstammung). Dabei stellte sich heraus, dass auch Männer bei diesem Thema nicht frei von Angst sind und durchaus besorgt auf die Entwicklungen schauen. Nach einigem Innehalten entschloss sich Lisa Kalteis, das durch sie eingebrachte Thema, „Angst der Frau vor der übermächtigen männlichen Energie ausländischer Herkunft“, aufzustellen.
Aufstellung:
Auch bei dieser Fragestellung wirkte die Aufstellung vom Individuellen hin zum Größeren, auf alles Wirkende. Das von dort eine Lösung kommen kann ist nicht neu. Allerdings, die Art und Weise sowie die Bewegungen und Einsichten durch die Stellvertreter, die zu Beginn der Arbeit ohne Kenntnis ihrer Rolle waren. Wolfgang hat die Aufstellung angeleitet.
Die Mitteilungen der Stellvertreter sowie die Fragen zur Aufstellung rundeten das Thema ab.
Die Aufzeichnungen dieser Aufstellung soll ebenfalls zur Veröffentlichung eingereicht werden.

Angeregt durch Josef Bierl, demonstrierte Annegret die Vorgehensweise bei einer Polaritäten-Aufstellung, die sie bei Jens Magerl gelesen hatte. Es war interessant zu sehen, dass es durch die „Hartnäckigkeit“ der Stellvertreter zu einem anderen Ablauf kam, als beabsichtigt. Und, es kam zu einem für alle versöhnenden Abschluss.
Fazit: Wirkung wog stärker als Absicht.

Am Nachmittag beschäftigten wir uns mit dem von Martin Meir eingebrachten Thema der „Künstlichen Befruchtung“. Der kontroverse, mit unter auch provokative Austausch mündete in eine Diskussion. Trotz grundlegend unterschiedlicher Ansichten, war auch dieser Austausch im Wesentlichen von einer achtungsvollen und wertschätzenden Kommunikation getragen.

Das Mitgliedertreffen endete wie es begann - mit einer Bitte. Nämlich die Teilnehmer mögen „ihre Eindrücke, Erfahrungen, was sie beschäftigt oder bewegt“, als Feedback auf die Karten schreiben. Sie wurde reich belohnt, die Bitte – DANKE.

In der abschließenden Runde kam neben persönlichen Eindrücken, einhellig zum Ausdruck, wie wertvoll diese beiden Tage waren und, dass eine Wiederholung unbedingt angestrebt werden sollte – möglichst mit 2 Übernachtungen. Einige äußerten, dass die Bindung an die DGfS, ihren Berufsverband, gestärkt wurde.
Mit einem alle faszinierenden Regenbogen, genau über dem Kloster, ging ein an Austausch, Erfahrungen und Einsichten reiches und volles Wochenende seinem Ende entgegen.

Neufinsing, den 15. Oktober 2015

Andreas Lechner
Regionalsprecher