Regionaltag 11/13

Wege der Spiritualität in der Aufstellung

Am 20. November 2013 fand von 9.00 – 17.30 Uhr der diesjährige Regionaltag der DGfS-Regionalgruppe Bayern-Süd statt. Nach einer kurzen Begrüßung der Teilnehmer und Bekanntgabe der organisatorischen Details, richtete die 1.Vorsitzende der DGfS, Barbara Inneken, einige Worte an die Teilnehmer des Regionaltages. Auch freute sie sich an einer Veranstaltung in ihrer Heimat teilzunehmen und wünschte den Teilnehmern einen interessanten und erkenntnisreichen Tag.

Zum Thema "Möglichkeiten und Grenzen der Spiritualität in der Aufstellungsarbeit"  übernahm Jakob Schneider die Gestaltung des Vormittages. In einem interessanten Vortrag schilderte Jakob Schneider zunächst, aus seiner Erfahrung, welche Bereiche das Familienstellen beinhaltet. "So sei der spirituelle Weg eine Vorgehensweise neben vielen anderen, wie beispielsweise Psychotherapie, Beratung, Seelsorge, Schamanismus, oder philosophischer Hilfestellung." Zum Bereich der Spiritualität erhielten die Teilnehmer Einblicke, wozu Spiritualität hilfreich und durchaus notwendig sein kann - etwa um den Blick nach vorne zu richten. Dies kann erwachsen durch einen Blick in die Vergangenheit, indem die gewonnenen Erkenntnisse über Bindungen Anerkennung und Zustimmung erfahren.

Anschließend ließ uns Jakob Schneider teilhaben an unterschiedlichen Sichtweisen auf das Thema Spiritualität. Diese beinhalteten Beschreibungen aus theologischer Sicht, Hinweise zum Thema von Bert Hellinger, aus buddhistischer Sicht u.a.. Nach der theoretischen Annäherung an das Thema folgte der praktische Teil. Anhand einer eindrucksvollen Demonstration machte Jakob Schneider deutlich, wie es sich mit Schwierigkeiten einerseits und Problemen andererseits verhält. Wie unterschiedlich die Blickrichtung bzw. Einbindung sich im Verhältnis von Klient zu seiner "Zielsetzung" darstellt. Nach der Demonstration lud Jakob Schneider dazu ein, mittels einem konkreten Anliegen eine Aufstellung anleiten zu wollen um vielleicht erkennen zu können, ob und in welchem Maße spirituelle Elemente bei einer Aufstellung sichtbar werden. Anschließend hatten die Teilnehmer Gelegenheit sich in Kleingruppen von vier bis fünf Teilnehmern auszutauschen. Die Rückmeldungen waren vielseitig, wie die Aufstellungsarbeit selbst. So gab es Äußerungen von nicht bis wenig erkennbarer Spiritualität. Andere waren der Ansicht, dass sich die Verbundenheit mit dem was sich zeigt und wirkt, für sich selbst schon eine Form der Spiritualität sei.

So ging ein informativer und bereichernder Vormittag zu Ende. Mit der Überreichung eines Blumenstraußes durch Martin Meir und einem tiefen Dank der Anerkennung wurde Jakob Schneider verabschiedet.

Nach dem Mittagessen, gestaltete Marianne Franke-Gricksch den Nachmittag mit dem Thema "Der Körper weiß und weist den Weg – Wege zu spirituellen Erfahrungen in der Schule".

Es begann mit einem näherrücken der Teilnehmer zu einem engeren Stuhlkreis. Marianne Franke-Grisch erzählte von ihrem Tätigkeitsfeld "Systemische Schule" und Allgemeines zur Spiritualität. Nach einem kurzgehaltenen theoretischen Teil war nun das Erfahrbare aus der Praxis an der Reihe. Anhand einer Aufstellung einer anwesenden Lehrerin erklärte Marianne Franke-Gricksch mit ihrer lockeren und direkten Art, was im systemischen Kontext zum Thema Schule unabdingbar ist, damit es zu einem entspannteren Miteinander kommen kann. Für manche Teilnehmer war es überraschend, dass gegenüber dem Direktor und den Lehrerinnen und Lehrern, andere den Vorrang haben, nämlich der Hausmeister, das Reinigungspersonal und das Sekretariat. Es war interessant wahrzunehmen, wie sich im Bereich Schule unterschiedlich eingenommene Positionen unmittelbar auswirken. Die SchülerInnen-Stellvertreter waren zu Beginn vorsichtig, ängstlich bis herausfordernd gegenüber den Lehrern. Im Verlauf reagierten Schüler und Schülerinnen irritiert, verunsichert und unruhig, wenn sich Eltern und/oder Lehrer zu intensiv – d.h. mit Erwartungen – auf die Kinder schauten. In dem Moment als Achtung/Anerkennung und Ziele hinzukamen waren die Kinder und die Lehrer sichtbar erleichtert. Hingegen wurden die Eltern-Stellvertreter eher unruhig, wechselten immer wieder ihre Positionen und wirkten desorientiert, was wiederum Unruhe in die übrigen Beteiligten brachte. Die Intervention, indem hinter den Lehrern ihre Eltern gestellt wurden, wurde von allen als lösend und erleichternd empfunden. Die Lehrer-Eltern waren durch ihre Einbeziehung und ihr Dasein, sehr berührt.

Im Anschluss an die Aufstellung blieb noch Raum für einen Austausch der Teilnehmer mit den erlebten Dynamiken und Bewegungen der Aufstellung. Die Überreichung des Blumenstrausses an Marianne Franke-Gricksch durch Martin Meir, bildete den Abschlss eines gelungenen und an Erfahrungen und Erkenntnissen reichen Tages.

Neufinsing, 13. Dezember 2013

Andreas Lechner

Regionalsprecher