Regionaltag 2015

„Aus der Praxis für die Praxis“

Am Mittwoch, den 18.November 2015 fand von 9.00 bis 18.00 Uhr der Regionaltag der DGfS-Regionalgruppe Bayern-Süd mit den Referentinnen Dr. Eva Madelung und Barbara Innecken, und dem Referenten Stephan Hausner, in den Räumen des Klangheilzentrum, Ötztaler Str. 1b in München, statt. Über 80 Teilnehmer zeigten das große Interesse an dieser Veranstaltung, mit den angebotenen Themen und deren ReferentInnen – auch kam die Raumkapazität damit an ihre Grenze.

Nach einer kurzen Begrüßung der Teilnehmer, den Vorgängerinnen Lisa Böhm und Felicitas McCarthy, Bekanntgabe der organisatorischen Details und einer kurzen Vorstellung von Stephan Hausner durch Andreas L., übernahm Stephan das Wort.
Er erzählte uns von seinem Erfahrungshintergrund, die wesentlichen Ereignisse und wie sich seine Arbeit mit Kranken entwickelt hat. Von Haus aus ist Stephan Heilpraktiker mit dem Schwerpunkt Homöopathie, später TCM und anderes mehr.

Bert Hellinger hat Stephan durch seine Tätigkeit kennengelernt und schon sehr früh seine Seminare besucht. „Da passiert was Wesentliches, wie die TCM Ordnungsmedizinen sind, sprach Bert von Ordnungen der Familie“, so die eindrucksvolle Erfahrung. Spannend war zu sehen, dass die Familienordnung in den Körper hinein wirkt und was hilft die Arznei, wenn ich nicht weiß welche. Im übertragenen Sinn – die Aufstellung externalisiert einen inneren Vorgang und sie bildet sich im Körper des Klienten ab.
Wichtig dabei ist, ein sicheres Setting zu schaffen, damit sich der Patient/Klient öffnen kann um Neues zuzulassen. In der Aufstellung zeigen sich oftmals tiefe Bindungen und Bewegungen, die begleitet werden wollen. Was nicht begleitet werden kann, kann nicht integriert werden.

Bei Kranken muss ich den Körper integrieren – wie weit kann der Patient sich einlassen und sich auf seinen Körper beziehen? Wenn der „Behälter“ mit Informationen voll ist, macht es keinen Sinn zu arbeiten – da muss ich warten. Von der Vorgehensweise Lösungen zu erarbeiten, nimmt Stephan immer mehr Abstand. Es geht mir mehr darum, wie geht es dem Körper, kann ich einen Impuls auslösen um den Patient/Klient dann zu begleiten. Ich versuche Negatives nicht zu verändern, sondern eher da mit-zu-gehen und präsent zu sein. Denn Vieles geschieht nicht durch Wissen –  sondern vielmehr durch Nicht-Wissen.

Oft nehme ich den Klienten nicht in die Aufstellung herein, sondern arbeite mit ihm am Stuhl während der Aufstellung. Dann geschieht oftmals eine Veränderung in der Aufstellung und zeigt dem Klienten ein neues Bild. Das ist deshalb möglich, weil Zeit eine Illusion ist – Bewegungen der Heilung finden statt. Die Bewegung ist, das Krankmachende anzuschauen, einschließen und transzendieren. Alle Bewegungen sind logisch, machen Sinn – es ist mehr ein Wissen, wie Systeme funktionieren.
Eine Einsicht aus einem Vortrag über Neurobiologie (Sarah Payton) ist: „Es gibt nichts, was das Gehirn mehr entspannt, als wenn ich über ein Gefühl spreche und ich gehört werde“.
In der Traumatherapie ist die wichtigste Ressource – Zeit. Wann ist der „Container“ voll? Intervention: Zeit lassen, setzen lassen, integrieren.

Nach den Einblicken in seine vielseitigen Erfahrungen, bot Stephan an, dies in praktischer Arbeit anwenden zu wollen. Bevor er mit dem Teilnehmer zu arbeiten begann, bezog sich Stephan auf das Thema des Workshops Was in Beziehung tritt, darf heilen.

Wir haben viele Beziehungsräume. Beziehung heißt, dass es mir gelingt, den anderen in mir abbilden zu lassen. Konkret also, in wie weit gelingt es mir ihn (Teilnehmer) abbilden zu lassen?
Bei dieser Arbeit ging es um eine Symptomatik mit zwei wiederkehrenden Symptomen in Zusammenhang mit Angst vor Veränderung also der Zukunft.

Im Anschluss an die Aufstellung ging Stephan auf die unterschiedlichsten Fragen der Teilnehmer ein. In einer weiteren Aufstellung mit sehr komplexen Dynamiken, war deutlich erkennbar, dass der Preis für einen Verzicht auf die Symptomatik zu groß war – zumindest an diesem Tag.
Wegen der vorgerückten Zeit war es Stephan möglich, nur auf einzelne Fragen einzugehen.

Mit der Übergabe eines Präsentes durch Martin,bedankten wir uns bei Stephan für den eindrucksvollen und erkenntnisreichen Vormittag.

Doris Feiler-Graziano (Vorstandsmitglied) berichtete gemeinsam mit-Annegret über den Stand der Vorbereitungen der 10.Tagung in Karlsruhe vom 10. bis 12, März 2017 und teilten mit, dass es sich noch lohne, sich für einen Workshop zu bewerben. Doris hatte einige Lesezeichen mit dem Logo und dem Motto „Aneinander wachsen“ mitgebracht und verteilt.

Nach der Mittagspause und einleitenden Worten zu Dr. Eva Madelung, Barbara Innecken und dem gemeinsam veröffentlichten Buch „Im Bilde sein“ und dem Hinweis, dass es Barbara ein Herzenswunsch ist, dass es mit der Methode des Neuro-Imaginative-Gestalten (N I G) gut weitergeht - aus diesem Grund hat sie aktuell ein Institut gegründet, in dem Lernende der Methode als Practioner ausgebildet werden, übernahmen Barbara und Eva das Gespräch.

In einem sehr interessanten und heiteren Dialog erfuhren wir Einzelheiten über die Entstehung, die Grundlagen, der Entwicklung und den Möglichkeiten des Neuro-Imaginativen-Gestaltens. Das  N I G  ermöglicht, Erfahrungen der Familienaufstellung in der Einzeltherapie anzuwenden. Es ist eine Methode, die Elemente aus dem NLP, dem systemisch-konstruktivistischen ebenso wie aus dem systemisch phänomenologischen Bereich verbindet.

Das Charakteristikum des N I G ist, dass der Klient ein Bild bzw. mehrere Bilder zu seinem Thema, das er mitgebracht hat, skizziert – möglichst intuitiv und ohne Gedanken oder Absicht. Um die Skizzen intuitiv zu gestalten, ist es wichtig, dies mit der nicht dominanten Hand zu tun. Die dominante Hand ist die Schreibhand – also der rechts Schreibende malt mit der linken Hand und umgekehrt. Wir haben viele, viele Bilder in uns – Skizzen externalisieren diese Bilder.

Im praktischen Teil, den Barbara anleitete, konnte zunächst jeder die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt Bilder zu einem vorgegebenen Thema mit der nicht dominanten Hand zu skizzieren. Wie wenig der Kopf dabei beteiligt ist und, die Bilder wie aus der Hand fließen.
Anhand eines Anliegens eines Teilnehmers konnten wir gut die Möglichkeiten des NIG erleben. Das skizzierte Bild wurde besprochen und als Bodenanker (Ankern aus dem NLP) auf den sich der Klient stellt, verwendet. Aus diesem Erleben heraus entwickeln sich Impulse und Motivationen eine weitere Skizze zu malen und dazu zu legen. So ergibt sich ein Prozess durch den der Klient geht und begleitet wird. Im N I G gibt es eine Besonderheit – die META-Position. Diese Position befindet sich außerhalb der Aufstellung (Bilder) und kann unterschiedlich benannt werden z.B. als weiser, alter Mann oder als weise alte Frau, eine Schamanin oder auch andere.
Die Meta ist ein sogenannter sicherer Platz – der „Container“ kann sich durch Dissoziieren etwas erweitern, was bei der Trauma-Arbeit wichtig ist.
In der Arbeit von Barbara war interessant zu sehen, wie sich der ständige Wechsel zwischen den einzelnen Bodenanker einerseits und der Herausnahme auf die Position der Meta auswirkt. Der Klient wird auf dieser Position, die eine kognitiv-reflektierende und ohne Emotion ist, durch konstruktivistische Fragen und Annahmen des Therapeuten (wie es hier war), in die Lage versetzt, zu reflektieren und ein neues Bild, seine Ausgangssituation betreffend, zu gewinnen.

Im Anschluss an die Einzelarbeit hatten wir die Möglichkeit, die gewonnenen Erkenntnisse selbst in Gruppen auszuprobieren. Es war überraschend, welche Zusammenhänge und Einsichten sich selbst in relativ kurzer Zeit offenbarten. Hilfreich war auch zu erkennen, dass es durchaus eine Vermischung auf der Meta geben kann – Abhilfe schafft eine größere Distanz einzunehmen oder eine Glaswand oder einen Stuhl vor die Meta zu stellen. Wegen der fortgeschrittenen Zeit war nur ein  Teilnehmer als Klient pro Gruppe möglich. Es war eine sehr interessante Erfahrung was mit dem Neuro-Imaginativen-Gestalten möglich ist. Die Reflektionen der Erfahrungen aus der Gruppenarbeit bildete das Ende eines sehr erkenntnisreichen und interessanten Regionaltages.

Mit einem Blumenstrauß an Eva und Barbara überreicht durch Martin, verabschiedeten wir uns mit einem herzlichen Dank an die Teilnehmer von Eva und Barbara. Herzlichen Dank auch an Doris Hirschfeld, die wieder durch ihre Mitschrift, diesen ausführlichen Bericht, ermöglicht hat.

Neufinsing, 09. Dezember 2015

Andreas Lechner
Regionalsprecher