Regionalgruppentreffen Oktober 2012 - Aufstellungswerkstatt - Lernen von Kollegen

    

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Bericht des Regionalgruppentreffen Bayern-Nord im Oktober 2012

Aufstellungswerkstatt – Lernen von Kollegen

Erster Regionaltag der DGfS-Regionalgruppe Bayern-Nord
Der erste Regionaltag der noch jungen DGfS-Regionalgruppe Bayern-Nord am 19.10.2012 in den Räumen der Gemeinschaftspraxis von Lorette Purucker und Kristine Joop stand unter dem Motto: „Aufstellungswerkstatt“ – Lernen von Kollegen. Unter Leitung und Moderation von Regionalsprecherin Lorette Purucker stellten Rita Jung (Bamberg), Joachim Vogel (Weimar) und Lorette Purucker (Bayreuth) Aufstellungsansätze aus eigener Praxis vor. Die Präsentation von Wolfgang Zeitler (Bayreuth) zum Thema „Musik als Helfer“ fiel krankheitsbedingt aus. Alle Teilnehmer drückten den Wunsch aus, diesen Beitrag möglichst bald nachzuholen und wünschten Wolfgang schnelle Genesung.


Rita Jung begann die Präsentation ihrer Arbeit mit dem „Inneren Team“ mit einführenden Erläuterungen: Bei jedem Menschen seien mehrere innere Stimmen ständig im Austausch. Diese Anteile des menschlichen Ichs bilden je nach Situation - so beispielsweise vor konkreten Entscheidungen - immer neue Koalitionen. Diese lassen sich durch Aufstellungen anschauen. Durch diese Aufstellungen des „Inneren Teams“ können auch innere Stimmen zu Wort kommen, die gerne unterdrückt (Wut, Aggression) oder wenig beachtetet werden. Entscheidend ist es hierbei, die für ein Problem wesentlichen Anteile zu erspüren und in den Raum zu stellen. Zur Überprüfung der Stimmigkeit einer solchen Aufstellung erweist es sich oft als hilfreich, das gefühlte Alter eines Anteils zu erfragen. Auch sei es wichtig, die beteiligten Anteile zu fragen, was sie vom Chef des Teams (Ich/Klienten) wirklich benötigen. Aufstellungen des „Inneren Teams“ seien am hilfreichsten, wenn alle Mitglieder einen klaren Auftrag hätten. „Wenn der Chef nicht Chef ist, muss man sich auf die Suche machen.“ Das „Inneres Team“ des Klienten wisse in der Regel, wohin der Weg gehe, sagte Rita Jung. Die ,,innere Wahrheit“ weise den Weg. Voraussetzung für die Anwendung der Aufstellung des „Inneren Teams“ ist innere Stabilität des Klienten. Nicht zu empfehlen sei diese Methode bei Klienten mit Wahnvorstellungen und Suizidgefährdung. Im zweiten praktischen Teil Ihrer Präsentation zeigte Rita Jung an zwei Beispielen die Anwendung dieser Methode.


Joachim Vogel begann seine Präsentation „Gott aufstellen“ mit einer Klarstellung: „Gott aufstellen“ bedeutet für ihn „Dasein aufstellen“. Ganz im Sinne der sprachlichen Urbedeutung der beiden wichtigsten althebräischen Ausdrücke für Gott, Jahwe und Elohim: Jahwe bedeutet das Sein, das Dasein, das hilft. Elohim bedeutet die verbindende Ganzheit von Gegensätzen. Immer dann, wenn in den alten Lutherübersetzungen des Alten Testaments „HERR“ steht, könnte man auch lesen: „das Dasein, das hilft“. Vor diesem Hintergrund bedeutet jede Aufstellung „Gott aufstellen“. Sieht man Aufstellungen vor diesem Hintergrund, bieten Bibel und christliche Tradition als Ausdruck umfassender Weltweisheit einen unerschöpflichen Fundus. Die Elemente dieses Fundus lassen sich mit erstaunlichem Gewinn aufstellen: Segensworte aus den Psalmen, (Der Herr ist mein Hirte/Mir wird nichts mangeln/), das Vaterunser oder die 12 Stämme Israels als Aspekte menschlichen Daseins. In der Praxis wandelt sich die „Verkörperung“ dieser Motive der Weltweisheit durch ihre Aufstellung immer wieder in klassische Seins- und Lebensaufstellungen mit konkretem Fokus. Auch aus den zahlreichen Herkunftslisten und Namensbedeutungen der Bibel lassen sich Herkunftsaufstellungen entwickeln. Im Sinne des Bibliodramas sind biblische Geschichten, Mythen oder Gleichnisse aufstellbar. Zwei praktische Arbeiten demonstrierten diesen Ansatz. In der ersten Arbeit wurde eine Klientin gebeten, aus einem Vers alttestamentlicher Weisheitsliteratur jene Lebensaspekte aufzustellen, die sie am meisten berührten. In der zweiten Arbeit lasen die Teilnehmer die alttestamentliche Geschichte von Kain und Abel und stellten Motive daraus nach dem Impuls einer Teilnehmerin.

Lorette Purucker zeigte im letzten Workshop des Regionaltages, wie sie die Weisheit des Enneagramms für ihre Aufstellungsarbeit nutzt. Zunächst stellte sie die neun Typen des Enneagramms unter mehreren Gesichtspunkten vor.
Bauch / Wut – Zorn:

  • Nummer 8 (Kämpfer)
  • Nummer 9 (Vermittler)
  • Nummer 1 (Perfektionist)

Herz / Beziehung:

  • Nummer 2 (Helfer)
  • Nummer 3 (Macher)
  • Nummer 4 (Romantiker)

Kopf / Angst – Zweifel:

  • Nummer 5 (Beobachter)
  • Nummer 6 (Loyale)
  • Nummer 7 (Optimist)

Wichtig bei diesen Zuordnungen ist es, die neun Welten in denen Menschen leben, mit ihren Gesetzmäßigkeiten kennen zulernen und diese zu verstehen. Jeder vereint mehrere Aspekte in sich. Das Enneagramm gibt einen Rahmen, der Aufstellern helfen kann, zu formulieren, wo die Wachstumspotentiale sind. Gebraucht wird das abgelehnte Element, um sich entwickeln zu können. Der Therapeut kann mit seinem Wissen entsprechend darauf reagieren. Es geht darum wahrzunehmen, wer man selber ist und das anzunehmen. Auch dieser Ansatz wurde mit einer eindringlichen Aufstellung veranschaulicht.

Der Regionaltag wurde mit einer Schlussrunde beendet. Die Teilnehmer betonten vor allem die Vielfalt der neu gewonnenen Impulse, die Erschließung neuer Horizonte, die offene helle Atmosphäre und – nicht zuletzt – die liebevolle Betreuung durch die Gastgeberinnen in allen Bereichen.

Inga Neudert, Arzberg