In Erinnerung

Trauriger Abschied

Unser sehr geschätzter und beliebter Kollege Helmut Blauen‐Barth ist völlig unerwartet am 30.10.2013 gestorben. Wir verlieren in ihm einen kompetenten Kollegen, einen fürsorglichen und liebevollen Begleiter und Freund sowie ein über viele Jahre engagiertes Mitglied des DGfS Teams. Unser großes Mitgefühl gilt seiner Familie, die fassungslos in großem Schmerz und tiefer Liebe zurückbleibt.

In Erinnerung - Helmut Blauen-Barth

Helmut gehörte in seiner Regionalgruppe NRW zur Gründergeneration. Er initiierte den AK Organisationsaufstellungen mit, war einige Jahre Mitglied der AG Gesundheit und engagierte sich bei der Regionaltagesvorbereitung. Auf DGfS Bundesebene gehörte er von Anfang an zum Team der Anerkennungskommission und war Mitglied der Internetredaktion, die die erste Website der DGfS aufbaute. Danke, lieber Helmut, für alles - wir vermissen Dich sehr.

 

Im Dezember 2011 ist Dr. Otto Brink verstorben.

Er hat die Aufstellungsarbeit von Anfang an mitgestaltet und war viele Jahre lang Ombudsmann der DGfS. Seine wohltuend gelassene, humorvolle und wertschätzende Art war vielen von uns ein Vorbild und so wird er in unseren Herzen weiter leben.

Otto Brink

Anstelle eines Nachrufes, ein Brief an meinen verstorbenen Freund Otto Brink

Lieber Otto,
nun bist Du mit Deinen 82 Jahren plötzlich verstorben, und ich dachte doch, Du wirst mindestens 100 Jahre alt. Du warst immer so fit, beweglich und gesund. Und dann eine Operation, die Erholung gelingt nicht und der Atem setzt aus. Was für eine Tragödie. Und ich konnte Dir wegen einer Auslandsreise nicht einmal die letzte Ehre erweisen.

Wir lernten uns Ende 1974 kennen. Ich hatte gerade mit Arbeit als Psychotherapeut begonnen, Du warst ein arrivierter Analytiker in Düsseldorf. Und Du warst mein Trainer, Therapeut und Dozent im Rahmen einer kleinen, tiefenpsychologisch-orientierten Ausbildung. Schon nach den ersten Stunden begann ich Dich zu lieben. Wir arbeiteten an den Elternbotschaften, die unser Erleben und unsere Selbstwahrnehmung in der Kindheit geprägt hatten. Die Liebe entstand nicht wegen der Inhalte, die Du uns vermittelt hast, sondern wegen der Haltung, mit der Du uns begegnet bist. Nicht die Spur einer kritischen Äußerung war zu entdecken, nur Akzeptanz, Wertschätzung und liebevolle Begleitung. Natürlich begann ich, Dich zu kopieren, wollte so sein wie Du, brauchte meine Zeit, den Mut zu finden, der Therapeut zu sein, der ich sein kann. Ich hatte schon Verhaltenstherapie und Gesprächspsychotherapie gelernt, aber was Du mir zeigtest, war Psychotherapie im besten Sinne des Wortes. Ich fing zu joggen, wie Du mir geraten hattest, aß viel Rohkost, denn „roh macht froh“, hörte auf zu rauchen, hatte dabei viele Rückfälle, die Du als „Brandopfer an die alten Götter“ positiv bewertet hast. Was habe ich seit 1974 von Dir alles an kreativen und witzigen Umdeutungen hören dürfen. Du warst wirklich der Meister der positiven Symptombewertung.

Du machtest dann 1975 bei Bert Hellinger eine dreimonatige Primärtherapie, erzähltest uns davon, und als Du die Primärtherapie in Deine Arbeit aufnahmst, war ich sofort dabei und lernte auch diese Form der Arbeit von Dir, schrie, weinte, zitterte vor Angst und ließ mich von Dir und Ruperta, Deiner Co-Therapeutin, trösten. Was für eine Erfahrung für den Intellektuellen, der solche Angst vor Gefühlen hatte, aber von Dir lernte, dass der verdrängte Schmerz weh tut, der erlebte aber befreit.

Nach der Ausbildung freundeten wir uns an, besuchten uns regelmäßig. Beeindruckend war Deine Offenheit für neue Methoden. Du kamst immer wieder mit neuen Erfahrungen aus Workshops, die Du besucht hattest. In einem Bioenergetikkurs hatte man Dir fast das Knie ruiniert, aber „es war die Erfahrung wert.“ Wir flogen 1978 zusammen in die USA und zu einer Ausbildung in Familientherapie. Dort lernte ich Bert Hellinger kennen. Wir drei waren die „German Guys“, wanderten an den Wochenenden in den Bergen Colorados, sangen am Abschiedsabend für die internationale Gruppe „Am Brunnen vor der Tore.“ Die durch Dich möglichen Kontakte eröffneten neue Welten und neue, innere Räume. Der Tag, an dem ich 1974 in Düsseldorf Kaiserswerth in der Gruppe saß, war ein Geschenk, das bei jedem erneuten Auspacken neue Möglichkeiten anbot.

Hinter dem Psychoanalytiker stand der Mann Otto Brink. Du warst ein Mann, der die Frauen liebte, und die Frauen liebten Dich. Sie mochten Deinen Charme, Deine Offenheit und den verschmitzten Jungen, den Du ihnen gerne zeigtest. Du warst Vater von fünf Kindern, später dann Großvater. Ich durfte zwei von Deinen vier Brüdern und auch Deine Schwester kennen lernen, und ich weinte mit vielen anderen, als Du bei der regionalen Arbeitstagung der DGfS in Nordrhein Westfalen die Geschichte von Deinem behinderten Bruder Hänschen erzähltest, der von den Nazis umgebracht wurde. Wir wanderten zusammen im Sauerland, und bei den Abendessen wurde der Genießer sichtbar, der gerne aß und Rotwein liebte. Und wenn man einmal in Fahrt war, durfte es auch eine Flasche mehr sein.

Und wie fast alle, die Bert in diesen Jahren kennenlernten, wurdest Du Aufsteller. Von Anfang an gehörtest Du zur Septembergruppe. Auch in der Aufstellungsarbeit war Du für alles Neue offen. Ich werde es nicht vergessen, wie Du beim ersten Aufstellerkongress in Wiesloch mit einem Sack in den Raum kamst und eine Vielzahl von Schuhen ausgeschüttet hast. Zum ersten Mal wurde  „Aufstellungsarbeit in der Einzelarbeit“ gezeigt, in Deinem Fall mit Schuhen. Und die „Zwiegespräche“ lagen Dir am Herzen. Aus eigener Erfahrung wusstest Du, wie schmerzlich Trennungen für Paare und Familien sind, und die bemühtest Dich besonders um Paare und junge Familien.

Mit dem Umzug in den Odenwald waren die Kontakte und Besuche seltener geworden, aber die Verbindung blieb erhalten. Wenn wir uns trafen, war es so, als hätten wir uns gestern noch gesehen, wir setzten die Gespräche einfach fort. Ich konnte Dir noch sagen, dass ich, wenn ich gefragt werde, welcher Therapeut mich am meisten geprägt hat, immer sage: „der Otto Brink. Bert Hellinger war extrem wichtig, aber der Otto ist mein Therapeutenvater.“ Du meintest, das sei zu viel der Ehre, aber schon damals ich habe Dir gesagt, dass diese Bescheidenheit auch zu Dir gehört. So wie Deine unglaubliche Warmherzigkeit und Dein feiner Humor. Solange ich lebe, lebt ein Teil von Dir in meiner Seele weiter. Danke für alles, für das was war, und das was noch kommt.

Heinrich Breuer

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Brief an meinen verstorbenen Freund Otto Brink